Ende Juni 2019, nach Mitternacht: 25 Studierende des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) arbeiten bei immer noch hohen Temperaturen intensiv an einer Softwarelösung, durch die eine Privatperson ihr Auto über eine Smartphone-App an eine andere Person vermieten kann. Ein solches Peer-to-Peer Carsharing erfordert das Öffnen der Türen des Autos und das Starten des Motors über die Smartphone-App. In unserem Fall ist das Auto "nur" ein Modellauto, das allerdings Anwendungsprogrammierschnittstellen (Connected Car APIs) anbietet, die in Aufbau und Funktion den APIs von modernen, über das Internet vernetzten Autos entsprechen.

Die Studierenden sind Teilnehmer einer Veranstaltung, die den Namen "IAM Coding Day" trägt. Das im Rahmen dieses Hackathons zu lösende Problem klingt zunächst gar nicht so kompliziert, erfordert aber bei näherer Betrachtung eine ganze Menge an Informatikwissen. Ein wichtiger Aspekt, den die Studierenden in ihrer Lösung unbedingt berücksichtigen müssen, betrifft die Sicherheit und das Management der Rechte. Ein/e Autobesitzer/-in wird die Software sicherlich nur dann nutzen, wenn ihr/sein Auto nicht nach dem Vermietungsvorgang den Besitzer gewechselt hat. Mit Fragen zur Rechtevergabe und Rechteprüfung beschäftigt sich das sog. Identity and Access Management, kurz IAM – daher auch die Bezeichnung IAM Coding Day. Das Wissen zum Identity and Access Management liefert das Unternehmen iC Consult Group, einem in diesem Bereich führenden Spezialisten. Jedes der beim Coding Day gebildeten fünf Studierendenteams wird durch einen Experten der iC Consult Group verstärkt. Die Studierenden profitieren vom Praxiswissen der in den Teams mitarbeitenden Experten. Auf der anderen Seite lernen die an der Veranstaltung teilnehmenden Mitarbeiter/-innen des Unternehmens neue und innovative Methoden der Softwareentwicklung, die die Studierenden aus ihrem aktuellen Studium mit in die Teamarbeit einbringen.

 

IAM Coding Day Agenda

Der Coding Day ist Teil eines Praktikums, das die Studierenden im Rahmen ihres Informatik-Masterstudiums belegen können. Das Praktikum wird von Prof. Sebastian Abeck und seiner Forschungsgruppe Cooperation & Management (C&M) am KIT angeboten. Die Studierenden lernen in dieser Lehrveranstaltung, wie sie im Team komplexe Web-Anwendungen strukturiert und unter Nutzung aktueller Softwareentwicklungskonzepte (z.B. Behavior-Driven Development, Domain-Driven Design, Microservice-Architekturen) und-technologien (z.B. GitLab, Angular, Spring, NodeJS, Swagger) erstellen. Bei der beim Coding Day entwickelten Web-Anwendung des Peer-to-Peer Carsharing haben die Studierenden dieses Wissen praktisch angewendet und in Zusammenarbeit mit den IAM-Experten weiter vertiefen können. Nicht zuletzt wegen der guten und fundierten Vorbereitung im Rahmen des Praktikums konnten alle fünf Teams in der zur Verfügung stehenden Zeit technisch überzeugende und lauffähige Lösungen entwickeln und zum Abschluss des Coding Day präsentieren.

Ein Youtube-Video vermittelt einen guten Eindruck über die arbeitsintensive und zugleich lockere Atmosphäre, die während des Coding Day geherrscht hat. In dem Video berichten zwei Studierende darüber, wie sie die Arbeit im Team und mit den Experten persönlich erlebt haben. Insgesamt ist die Veranstaltung bei allen Beteiligten sehr gut angekommen; viele Studierende haben den Coding Day als ein "Highlight des Semesters" empfunden. Der positive Eindruck wird auch durch eine von der iC Consult Group durchgeführten Evaluation bestätigt, an der zahlreiche Studierende teilgenommen haben. Die Ideen zur Verbesserung und zum Ausbau des Konzepts, die darin angeregt wurden, laufen bereits in die Planungen des nächsten Coding Day ein.