Connected Car – der Datenschutz ist keine Sonderausstattung

Es vergeht kaum noch ein Tag, an dem „Deutschlands liebstes Kind“, das Auto, nicht für mindestens eine Nachrichtenmeldung sorgt. Schade eigentlich nur, dass es Themen, wie Abgasskandal, Dieselfahrverbote oder Luftverschmutzung sind, die die Schlagzeilen beherrschen und nicht die spannenden, zukunftsweisenden Mobilitätsszenarien. Elektroautos, autonomes Fahren oder Flugtaxis - die Mobilität der Zukunft hält einiges für uns bereits. Es gibt kaum eine andere Branche, wo die disruptive Kraft der Digitalisierung besser sichtbar und auch begreifbar wird.

Ein Blick nach Las Vegas, wo alljährlich im Januar auf der CES, der größten Consumer Elektronik Messe der Welt, sämtliche große Automobilhersteller und Zulieferer ihr Stelldichein geben um die neuesten Trends rund um das vernetze Fahrzeug, autonomes Fahren und neue Mobilitätsdienstleistungen vorzustellen, zeigt, dass sich Autos immer mehr in Richtung rollende Computer entwickeln.

Schon heute ist das vernetzte Auto Realität, wie das Beispiel eCall zeigt. eCall ist das seit 2018 für alle Neuwagen vorgeschriebene automatische Notrufsystem, welches nach einem Unfall selbsttätig eine Verbindung zur nächsten Rettungsleitstelle herstellt und Hilfe anfordert. Dabei werden als Informationen für die Retter unter anderem der Zeitpunkt des Unfalls, die Fahrzeugidentifizierungsnummer (FIN), die Position des Fahrzeugs, seine Fahrtrichtung und bei angelegten Sicherheitsgurten auch die Anzahl der Insassen übermittelt. Dazu nutzt der automatische Notruf Mobilfunk und Satellitenortung, aber eben auch die vom Fahrzeug erhobenen Daten. Doch das ist erst der Anfang, denn künftig werden noch viel mehr Sensoren und Kameras verbaut sein, die gigantische Datenmengen sammeln und eine Vernetzung und später auch einmal autonomes Fahren überhaupt erst ermöglichen. Mehr Sicherheit ist eines der gewichtigsten Argumente für die vernetzten, automatisierten Autos, aber ebendiese Vernetzung stellt bei modernen Fahrzeugen aber auch eine erhebliche Herausforderung für die Wahrung der gesetzlichen Anforderungen in Sachen Datenschutz dar. Die Daten, die das Auto sammelt, sind privateste Informationen wie etwa meine üblichen Wege – wo ich z.B. wie lange einkaufen gehe – oder auch Details zu meiner Fahrweise, was wiederum Rückschlüsse auf meine Stimmungslage zulässt. Damit eröffnen sich vollkommen neue, tolle Chancen für digitale Geschäftsideen. So kann ich beispielsweise automatisch auf dem Weg zu einem Geschäftstermin um einen Stau herumgelotst werden und erhalte dabei gleichzeitig noch Vorschläge für Dinner oder Mittagslunch in einem Restaurant, welches sich an der Auswahlstrecke befindet. Oder mir wird passend zur Lücke im Terminkalender ein günstiges Angebot einer Waschstraße in der Nähe angezeigt. Die Beispiele zeigen nur einen Teil der vielen Möglichkeiten auf, auf welche Weise die Positionsdaten genutzt werden können. Es gibt noch viele unzählige weitere Möglichkeiten wie und durch wen die generierten Daten genutzt werden könnten – man denke an Anbieter der Notrufsysteme, Zahlungssysteme, Ladestationen, Versicherungen und viele andere. Das stellt hohe Anforderungen an den Datenschutz und hierfür existieren spätestens mit dem Inkrafttreten der EU-Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO) klare Regeln in Bezug auf Datenschutzprinzipien wie Transparenz, Zweckbindung und Datenminimierung.

Die Herausforderung für Unternehmen besteht also darin, den Spagat zwischen der Einhaltung dieser Vorgaben und der Fähigkeit, weiterhin Erkenntnisse und letztendlich einen Nutzen aus den Kundendaten zu gewinnen, hinzubekommen. Als Automobilhersteller und auch Zulieferer muss ich Kernfragen beantworten wie:

• Wie können wir Kunden unkompliziert Auskunft zu ihren Daten geben?
• Wie holen wir ihre Einwilligungserklärungen (Consent) ein?
• Wie können wir in allen Prozessen vorhandene oder nicht vorhandene Einwilligungen berücksichtigen?
• Wie müssen wir unsere IT-Infrastruktur anpassen?
• Welche neuen Prozesse brauchen wir und wie können diese definiert und implementiert werden?

Wir als Experten im Bereich Customer Data und Consent Management versuchen den Brückenschlag zwischen IT, Rechtswesen & Datenschutz und anderen Fachbereichen und helfen großen OEMs und auch Mittelstandsunternehmen dabei, innerhalb der geltenden Rechtsvorgaben auch zukünftig erfolgreich ihre Geschäfte zu betreiben.